Liegerad Radius Peer Gynt

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Das Auktionshaus bot es mir als „willste vielleicht haben?“ an, dabei hatte ich schon lange nicht mehr nach einem Peer Gynt gesucht. Derzeit hatte sowas einfach keine Priorität. Aber der Preis war noch sooo niedrig und die Auktion ging nur noch ne Stunde. Ich schaute nach dem Standort, aber der war leider auch nicht unerreichbar weit weg. Das Fahrrad konnte zwar im Preis noch steigen, aber ich hatte keine Ruhe mehr. Wäre es günstig -nicht an mich- versteigert worden, hätte ich mich saumäßig geärgert. Ich musste einen Versuch machen. 5 Sekunden vor Ende schickte ich mein Gebot ab, bisher hatte noch niemand mehr mitgeboten. Das blieb auch so… Klar freute ich mich wie Sau, aber gleichzeitig dachte ich noch, was ich da wieder für einen Blödsinn gemacht hatte. 😀

Bilder aus der Anzeige:

Der Sitz ist nicht original, die Schaltung wohl auch nicht. Aber es sollte ja auch kein Ausstellungsstück für ein Museum werden, sondern einen Langlieger zum Fahren, Benutzen und Spaß haben. Und klar dass das Ding rot war, rot geht echt garnicht… 😉


Egal, am 21.8.2018 holte ich das 2,35m lange Räd’l bei Mönchengladbach ab. Mit meinem Opel Corsa. Ja, das passt da rein. Mit abgeschraubtem Sitz und ausgebautem Vorderrad, sowie aus dem Corsa amputierter Rückbank. Auf dem Heimweg kam es dann noch kurz vor der Heimat zu dieser Verkehrskontrolle, die in den Blog einfloss.

Zuhause angekommen baute ich das Rad wieder zusammen. Der anschließende Fahrversuch war filmreif: Ich wackelte in Schlangenlinien kreuz und quer über die gesamte Straße, holperte zweimal auf den Gehweg hoch, musste mehrmals notbremsen und hatte dann auch erstmal genug für diesen Abend. Vielleicht sollte ich es mit Stützrädern versuchen…


Beim zweiten Anlauf (und mit richtig gerade ausgerichtetem Lenkgestänge) klappte das schon viel besser. Aber von „Tour“ kann man noch lange nicht reden. Die Sitzschale ist mir etwas zu „liegig“ für ein Zweirad. Beim HP Gekko fx vorher war das weniger ein Problem, da musste ich nicht das Gleichgewicht halten. Jetzt möchte ich das Radius nach und nach für mich passend machen. Die Schale kommt runter und ich versuche das originale Sitzgestell zu bespannen. Dann mal sehen was das Popometer dazu sagt. Und dann schauen, wie man am besten Gepäck unter bekommt.

Der sinnfrei angebrachte Tacho bekam zunächst eine neue Batterie und einen neuen Halter (halbwegs im Blickfeld) spendiert, eine passende Luftpumpe hatte ich auch noch. Auf den Gepäckträger kam eine kleine Tasche für Schloss und Kleinkram. Die Beleuchtung funktioniert. Mal im Dunklen testen, ob man mit dem Halogending etwas sieht.

Das Radius ist mein zweiter Langlieger. Den ersten baute ich zusammen mit einem Schulfreund und Nachbarn im Alter von vielleicht 13 Jahren. Der Rahmen waren damals zwei Fichtenholzbretter, zwischen die ausgesägte Fahrradrahmenteile geklemmt und geschraubt wurden. Eine flach angestellte 26 oder 28 Zoll Gabel mit einem 16 Zoll Rad darin. Somit war die vordere Bremse nur für die StVZo und nicht wirklich benutzbar. Die Lenkung lief direkt schräg hoch und endete im Antriebsrad einer Waschmaschine als Lenkrad. Durch die flache Gabel kippte das Vorderrad im Stand immer seitlich weg, was unsere Fahranfänge erschwerte. Aber sobald das Ding etwas Schwung hatte, halfen die Kreiselkräfte und man konnte super geradeaus fahren. Das 28″ 3-Gang Hinterrad wurde in Streben eines ausgedienten Warndreiecks aufgehängt. Wir brauchten einige Versuche, um das Kettenabspringen in den Griff zu bekommen, aber dann bin ich das Ding oft, gerne und viel gefahren. Wenn ich mich richtig erinnere war das Fahrrad damals 3,10m lang, also ist das Peer Gynt regelrecht „kompakt“. :rolleyes: Als ich dann vor ein paar Jahren das erste Peer Gynt entdeckte, dachte ich sofort, dass die Leute von Radius unser Holzrad echt super kopiert und sogar noch etwas verbessert hatten… 😀 Also war klar, irgendwann kommt so eins.

Aber zurück zur Gegenwart.

Ich demontierte die Sitzschale und machte einen Bespannungsversuch des Sitzgestells mit zwei frisch gewaschenen Spanngurten aus dem schwedischen Möbelselbstbaumarkt. Die vernähten Enden entledigte ich ihrer Verschlussringe und schob die nun freien Schlaufen über die unteren Enden des Gestells. Ab da im Zickzack bis oben. So weit gut. Aber wie sollte ich die Gurte oben so befestigen, dass ich den Sitz mal ausprobieren, aber trotzdem spätere Änderungen noch machen könnte…? Ha, Gripzange, logisch! So mache ich das bei meinen Blecharbeiten schließlich auch. Probefahrt erfolgreich absolviert, der originalnähere Gurtsitz passt mir wesentlich besser als die Schale.

Ich vernähte die Enden mit ein paar Nähten aus Sterngarn, denn morgen brauche ich die Gripzange wieder. Das Ganze ist natürlich nicht wirklich dauerhaft, schon weil Anfänge und Enden der Gurte nur über die Enden des Sitzgestells gezogen, dort aber nicht befestigt sind. Da muss also eine andere Lösung her.

Beim Kramen in meiner Fahrradbastelkiste fand ich noch so einen Halter, wie ich ihn für den Tacho benutzt hatte. Die gebogenen Rohre sind eigentlich irgendwelche billigen Lenkerhörner, die Verbindungsstücke zwischen Rahmen und Hörnern normalerweise mit kurzen gerade Rohrstücken versehen und werden als Tachohalter für dicke Mountainbikelenker angeboten. Das hatte ich alles mal zum Basteln am Gekko gekauft, aber nicht zusammen mit dem Gekko weg gegeben. Mit dem zweiten Horn könnte ich mein Garmin schön im Sichtbereich anbringen. Und wenn ich eh schon bastelte, den Tachohalter etwas kürzen. Durch die nun etwas aufrechtere Sitzposition war der lange Arm nach oben nämlich nicht mehr nötig und der waagerechte sah sowieso scheiße aus. Also kürzte ich das Tacho-Horn an beiden Enden gewaltig. Schon besser. Das GPS-Horn befestigte ich vor dem Tacho. Es blieb auch nur so lang, dass ich die leicht geänderte Halterung des Garmin gerade noch öffnen konnte.

Ein Fahrversuch ergab, dass das GPS ruhig noch ein Stück näher zu mir rücken kann. Ich schiebe es einfach bis zum Anschlag an den Tacho nach hinten, die Geräte haben genug Höhenunterschied, dass man beide gut ablesen kann. Der Winkel des Tachos passt, das GPS wird noch etwas flacher.

Die ersten Anzeichen von Frühjahr ließen sich blicken, was mich dazu ermunterte, den langen Peer mal etwas weiter zu reparieren. Erst kam man das Licht an die Reihe. Der angebaute Halogenscheinwerfer war eher ein Kerzenhalter, in dem auch noch die Kerze schief zu stehen schien. Man sah zwischen nichts und garnichts. Busch & Müller ist meine Wahl. Der Luxos B ist relativ günstig zu bekommen und macht ein schönes Licht, auch im Nahbereich ganz brauchbar. Das Rücklicht der gleichen Marke macht aus wenig Strom viel Licht und ersetzt nach aktueller Gesetzeslage den großen Reflektor mit dem berühmt-berüchtigten „Z“. Der kleine Reflektor darf auch entfallen, in meinem Fall das alte Rücklicht.

Der einstellbare Ständer kränkelte vor sich hin. Seine Mechanik war schlapp und er sackte immer auf das Kleinstmaß zusammen. Stellte man ihn ein, hielt er mit etwas Glück einmal, um sich dann beim nächsten mal zusammen zu schieben. Ich bohrte kurzerhand ein Loch direkt unterhalb der Verstellmechanik und splintete den Ständer. Jetzt ist er unverstellbar auf das längste Maß eingestellt. Passt, funktioniert.

Die Gurte der Sitzbespannung sind suboptimal. Liegt wohl auch daran, dass sie durchgehend zusammen genäht sind. Man kann sie nämlich dadurch nicht nachspannen. Da muss etwas anderes her. Zuerst ging mir die Rolladengurtvariante durch den Kopf. Aber wieder: Wie spannen? Danach fand und bestellte ich Netzstoff, der aber noch nicht da ist. Anschließend ging mir eine optimierte Gurtlösung durch den Kopf, auf die ich jetzt aber auch schon wieder keine Lust mehr habe.

Der Nabendynamo brachte bei höherem Tempo fiese Schwingungen in den Rahmen, es klang furchterregend. Zudem war für dieses altertümliche Maß kein neuer Reifen mehr zu bekommen, was ich pauschal schon mal ungünstig finde. Ich hatte mich im Liegerad- und Velomobilforum schon auf das Thema eingelesen und wusste dadurch, was beim Tausch auf 20″ auf mich zukommt. Der Bügel („das Hufeisen“ 😀 ) der Magura Bremse ist nachher zu kurz. Entweder besorgt man sich gebraucht einen längeren oder man setzt den Bügel einfach von hinter der Gabel vor die Gabel. Einziger Nachteil dabei: Die Bremse ersetzt eine Hupe, so fies quietscht sie. Aber hey, das Leben ist kein Wunschkonzert, nä. Ich probiere die Tage aber mal einen Adapter aus, für dessen Bau ich bisher nur zu faul war. – Ach nein, ich hatte kein Rohmaterial da! 😉
Die Schraube, die das Hufeisen hält, wollte ich nicht auch noch mit dem Halter des Scheinwerfers quälen, daher thronte der Scheinwerfer nach dem Radumbau zunächst oben auf dem Rahmen. Und siehe da, das ist viel angenehmer zu fahren. Ich lenke eben doch relativ viele kleine Korrekturen, wodurch der Lichtstrahl recht nervös war, was mich noch unrunder fahren ließ. Rahmenfest ist es viel entspannter.

Der nächste Ansatz war, das Spiel aus der Lenkung zu bekommen. Eine wirklich tolle Idee! Mit dem spielfreien Gelenk fährt sich das Rad richtig gut. Jedenfalls, so lange der Gang drin bleibt. Leider tat er das nicht immer.
Ich baute das Hinterrad aus, um den Schlauch gegen einen mit Autoventil zu tauschen. Dabei putzte ich reichlich und staunte auch nicht schlecht. Diverse Speichen sind angeschlagen. Der Umwerfer muss zu weit rein fahren, um in den niedrigsten Gang zu schalten. Dabei rattern die beiden aneinander. Ich baute die Ritzelkassette aus, konnte aber nichts ändern. Ob da wirklich eine 9-fach Kassette rein gehört? Es gibt Distanzringe, die hinter die Kassette kommen, dafür fällt mindestens 1  großer Gang weg. Okay, haben will! Da ich jetzt super dran kam, putzte ich noch diverse Stellen, sowie sehr aufwändig das ganze Hinterrad. Das machte beinahe Spaß.
Beim Radeinbau kam auch gleich noch eine Weber Anhängerkupplung dran.
Und kaum war die dran, zerlegte ich auch schon den Hundeanhänger, habe ja schließelich keinen Hund mehr für da rein. Aber er passt nicht so richtig für meine Idee. Es liegt noch dünnes Vierkantrohr hier herum, vielleicht lieber gleich einen neuen Anhänger bauen…
Nochmal Hinterrad raus und den Spacer hinter die Ritzelkassette gebaut. Der größte Gang flog dafür raus. Ich hatte mir einige Videos angeschaut, wie man Schaltungen einstellt. Der erste Anlauf scheiterete, weil der Schalthebel für 9 Gänge ist, ich jetzt aber nur noch 8 Ritzel und davon nur 7 nutzbare Gänge hatte. Die Anschläge des Schaltwerks passten, ich durfte aber am Seil (also am Schalthebel) nicht die langsamen Gänge auslassen, sondern musste die schnellen durch den Anschlag im Schaltwerk begrenzen. Nach dem zweiten Anlauf schaltet alles butterzart.
Der Baumarkt brachte meinem Scheinwerfer eine neue Halterung. Sieht zwar auch nach Baumarkt aus, funktioniert aber prima.

Vor Kurzem suchte und fand ich folgende Info über die verbauten Magura HS33 „Eisbär“. Es war eine Sonderedition, die im Jahr 2007 raus kam und auf 1500 Satz weltweit limitiert war. Wie so oft macht sich Verwirrung breit. 9-Gang Kassette, Bremsen von 2007,… – aber noch das alte Vorderradmodell. Meines Wissens wurden in späteren Peer Gynt und Dino (das ungefederte Modell) 20″ Räder serienmäßig verbaut.

Ei gugge da, gerade bei den Kleinanzeigen entdeckt:


Noch neue Peer Gynt baubar, wie cool! 🙂

 

1 Kommentar zu “Liegerad Radius Peer Gynt

  1. Hallo du sag mal gibst du die nichtmehr verbaute sitzschale ab. lg malte

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